
Was versteht man unter Foramen Ovale?
Was ist es?
Während der Embryonal- und Fetalzeit liegt keine Trennung der rechten und linken Herzkammer vor, da die Lunge noch nicht ihrer Atemfunktion nachgeht und die Sauerstoffversorgung über die Plazenta (den sog. Mutterkuchen") erfolgt. Die Öffnung zwischen dem rechten und linken Herzvorhof wird auf Grund ihres Aussehens Foramen ovale (= ovales Loch") genannt.
Innerhalb des ersten Lebensjahres verschließt sich diese Öffnung normalerweise, so daß der Lungen- und Körperkreislauf strikt hintereinandergeschaltet sind. Der Lungenkreislauf gewinnt somit ab dem ersten Atemzug nach der Geburt Bedeutung. Bei ca. 30% aller Menschen bleibt das Foramen ovale aber offen. Dies sorgt dafür, daß die überwiegende Blutmenge an der Lunge vorbei in das linke Herz und den Körperkreislauf geleitet wird.
Auswirkungen und wie gefährlich ist es?
In der Regel geht von einem offenen Foramen ovale an sich keine Gefahr aus, da es durch den im Vergleich zum rechten Vorhof höheren Druck im linken Vorhof durch eine Gewebsbrücke gleichsam zugedrückt wird und keinen Blutübertritt erlaubt. Wenn aber der Druck im rechten Vorhof den im linken übersteigt, kann Blut und unter Umständen auch anderes Material das Foramen ovale passieren.
Worin liegt die besondere Bedeutung für Taucher?
Durch Ultraschalluntersuchungen der Gefäße nach Tauchgängen wissen wir, daß bei einem erheblichen Anteil korrekt durchgeführter Tauchgänge Gasblasen im venösen Teil des Kreislauf nachweisbar sind. Diese werden jedoch üblicherweise durch die Lunge herausgefiltert und dort abgeatmet. Daher gelten sie als ungefährlich. Eine Gefahr entsteht erst dann, wenn Blasen unter Umgehung der Lunge in den Körperkreislauf gelangen können. Ein offenes Foramen ovale stellt eine mögliche Quelle eines solchen Übertritts dar, jedoch muß hierzu die beschriebene Druckerhöhung im rechten Herzvorhof vorliegen. Letztere kann allerdings durch mehrere Faktoren während eines Tauchgangs hervorgerufen werden:
* Druckausgleich mittels Valsalva-Preßmanöver
* Verschiebung von Blut aus den Extremitäten in den Brustraum durch den hydrostatischen Druck im Wasser
* kältebedingte Verschiebung von Blut aus den Extremitäten in den Brustraum
* akute oder chronische Atemwegserkrankungen mit Hustenattacken
* Luftanhalten
* übermäßige Ansammlung von Gasblasen in der Lunge in der Dekompressionsphase
Für 30% der Taucher besteht demgemäß ein erhöhtes Risiko für einen Blasenübertritt in den Körperkreislauf.
Welches Risiko ergibt sich in der Praxis?
Verschiedene Untersuchungen und Fallberichte deuten auf ein leicht erhöhtes Risiko für Dekompressionsunfälle bei Tauchern mit einem offenen Foramen ovale hin. Auf der anderen Seite existieren Berichte über Taucher mit nachgewiesenem offenen Foramen ovale, die bei Hunderten von Tauchgängen und vielen Stunden in Sättigung nie einen Dekompressionsunfall erlitten haben.
Derzeitig kann sicherlich der Schwerpunkt des Risikopotentials auf das Tauchverhalten gesetzt werden. Die Durchführung von Tauchgängen von mehr als 30 m und/oder von Tauchgängen, bei denen Dekostops zur Stickstoffabgabe erforderlich sind, kann als dreimal so riskant eingestuft werden als ein konservativerer Tauchgang eines Tauchers mit einem offenen Foramen ovale.
Welche Konsequenzen ergeben sich für die Tauchpraxis?
Folgende Dinge sollten beachtet werden:
* Es gilt: keine Blasen - kein Risiko, d. h. das Tauchen im Grenzbereich von Computer oder Tabelle erhöht neben der Stickstoffmenge im Körper auch die Anzahl möglicher Blasen und damit das Risiko. Je langsamer aufgestiegen wird, desto weniger Blasen bilden sich.
* JoJo-Tauchgänge (wiederholtes Auf- und Abtauchen) müssen vermieden werden, denn die bei jedem Aufstieg freiwerdenden Blasen können beim Wiederabstieg das Foramen ovale oder gar den Lungenfilter passieren.
* Verzicht auf das Valsalva-Preßmanöver zum Druckausgleich! Es sollte auf eine andere Technik wie Schlucken oder Kieferbewegungen umgestiegen werden, extremes Pressen muß auf jeden Fall vermieden werden.
Alle diese Empfehlungen tragen zur Risikominimierung bei, wobei der ersten Empfehlung eine zentrale Bedeutung zukommt, denn ein Tauchverhalten, das eine Blasenbildung von vornherein verhindert, macht jede weitere Überlegung überflüssig.
Konsequenzen für die taucherärztliche Vorsorgeuntersuchungen
Das offene Foramen ovale kann mit verschiedenen Ultraschallmethoden nachgewiesen werden. Nach den derzeitigen Empfehlungen der Schweizerischen Gesellschaft für Unterwasser- und Hyperbarmedizin (SGUHM) sollte jeder erfahrene Taucher, der nie einen anderweitig erklärbaren Dekompressionsunfall erlitten hat, unter Beachtung der angeführten Regeln weitertauchen. Bei unerklärbaren Dekompressionsunfällen wird eine Untersuchung notwendig. Tauchanfänger mit einem großen Foramen ovale, das bereits bei Ruheatmung einen Durchlaß erlaubt, sollten nicht tauchen. Diejenigen Anfänger, bei denen sich das Foramen ovale erst bei forciertem Pressen öffnet, dürfen zwar tauchen, sollten aber die genannten Verhaltensregeln besonders intensiv beherzigen.
Quelle: www.medizin-netz.de/sportmedizin/Foramen.htm
weiterhin unfallfreies Tauchen wünscht Euch Anette Conrad