Tauchreflex

Was passiert beim Tauchreflex?

Taucht der menschliche Kopf in kaltes Wasser zum Tauchen, so ändern sich im wesentlichen zwei physiologische Parameter: Zum einen nimmt die Herzfrequenz ab (Bradykardie) zum anderen findet eine geringere Durchbluting der Unterarme und Finger statt (Vasokonstriktion der peripheren Gefäße).

Die Bradykardie wurde schon 1876 bei Enten von Paul Bert entdeckt, 1941 gelang Irvine der Nachweis beim Menschen. Obwohl der genaue Wirkmechanismus noch nicht vollständig verstanden ist, weiß man heute, daß ein Teil der Rezeptoren im Bereich um Mund und Nase liegen. Die Bradykardie wird jedoch schon durch reine Apnoe in Luft ausgelöst. Ursache hierfür sind Dehnungsrezeptoren der Thoraxmuskulatur.

Die Stärke der Bradykardie ist bei Apnoe in Luft geringer als beim Eintauchen in kaltes Wasser. Untersuchungen vom Stromme zeigten eine Verlangsamung der Herzfrequenz bei Apnoe in Luft von 6-15% je nach Trainingszustand des Probanden. Mit sinkender Wassertemperatur verstärkt sich die Bradykardie. In Versuchen vom Stromme wurde einmal eine Herzfrequenz von nur 9 Sclägen/min beobachtet. Das Ausmaß der Bradykardie ist jedoch stark vom Individuum und von seinem aktuellen Befinden abhängig.

Die Vasokonstriktion dient zur Reduktion des Sauerstoffverbrauchs. Auch sie kann während Apnoe in Luft bereits beobachtet werden. Das wärmende "Wiederauftauen" der Finger nach längerer Apnoe im Wasser ist ein Hinweis auf die reduzierte Durchbluting der Unterarme und Hände während der Apnoe. Diesen, aus der Stammesgeschichte behaltenen Adaptionsmechanismus, gebrauchen wir heute während der Geburt, da bis zum ersten "Schrei" nur ein reduziertes Sauerstoffangebot zur Verfügung steht.

Für das Sporttauchen gilt zusammenfassend: Um auf die Vorteile durch den Tauchreflex nicht zu verzichten, sollte die Mundpartie unbedeckt bleiben (keine Vollgesichtsmaske).

Literatur:
Der neue EHM, "Tauchen noch sicherer", Müller Rüschlikon Verlag, 1999
Axel Stibbe, "Sporttauchen", Delius Klasing Verlag, 1997

Udo